Die Geste

Ich wusste nicht, ob er Interesse an mir hatte. Er suchte keinen Körperkontakt, schaute mich nicht oft an und er schien auch nicht nervös, wenn er nach drei Gläsern Wein entschied, dass es besser sei, bei mir zu übernachten. Seine Zurückweisung war vage, unscharf und vielleicht auch nur eingebildet. Er redete viel, das schon. Von…

Die Regenmacherin

Es hatte schon monatelang nicht mehr geregnet. Der Sand trug den Geruch von Hitze, Trockenheit und Verzweiflung. Jeder Schritt staubte und die aufgewirbelten Sandkörner scheuerten die schwitzenden Füße auf. Um diese Uhrzeit war es unmöglich Schatten zu finden. Ich hätte mich gerne ausgeruht, doch ich musste mich beeilen. Die Toten mussten schnell unter die Erde,…

Schutzlos

Wir hatten uns lange im Bett gewälzt. Die Luft hatte unser Keuchen aufgesogen und die Wärme hing noch in allen Ecken. Wir waren haltlos in unserer Beklemmung und trieben in einer bewussten Ahnungslosigkeit vor uns hin. Ich lachte viel. Ich wäre gern gelöster gewesen, als ich es tatsächlich war. Es hätte sich nach Normalität anfühlen…

Ende

Er steht auf ohne zurückzuschauen. Seine Blicke sollen nicht auf den geringsten Widerstand treffen. Er streift mit einer unverfänglichen Handbewegung lose die Wärme der Nacht ab. Eine Salve aus ungestellten Fragen prallt an ihm ab. In ihm rumort nichts. Sein Auto wartet auf ihn. Er steigt ein und lässt sich auf den Sitz fallen. Er…

Angst

Es pocht ein kalter Wattebausch um ungeschminkte Lippen fahrig und ungelenk brutal Kerben und Löcher starren vor Dreck Du schaust zu genau Ich drehe mich hastig mit deinem Blick Schwindel und aus meinen Zellen tropft Talg auf deine nackten Füße Geh weiter. Du kennst mich nicht. Du wartest und drückst sanft auf meinen angstgedunsenen Hals…

Krieg

Zwei im Wind flatternde blonde Zöpfe. Ein helles Lachen. Sanfte Füße, die sich leise abrollen und ein peitschendes Gras, das alles verschlingt. Das Mädchen fällt zuerst hin, steht nicht wieder auf, lässt sich von den Halmen beschnuppern, verwächst leise mit dem Boden, sinkt hinab, wird träge und stumm. Die Frau erträgt das Knattern der Sonne…

I. Akt, zweite Szene

Ich liege in deinem Bett, mir ist schwindelig und ich versuche tief zu atmen, während eine angenehme Schwere nach mir greift. Ich drehe mich auf den Bauch und grabe das Gesicht in die Kissen. Dabei konzentriere ich mich auf das Heben und Senken meiner Brust. Ich spüre deinen Blick, der auf meinem Rücken knistert und…